Donnerstag, 5. Oktober 2017

Interview Jürgen Albers



Lieber Jürgen,
Wir haben uns ja ausgemacht, dass wir uns duzen :) Vielen lieben Dank dafür und auch herzlichen Dank, für die Zeit, die du dir für dieses Interview nimmst. 
Vielen Dank, Manuela. Ich freue mich auf unser Gespräch.

Bevor wir loslegen, möchtest du dich kurz vorstellen?
Sehr gern. Mein Name ist Jürgen Albers, ich bin in Oldenburg in Niedersachsen aufgewachsen, inzwischen 55 Jahre alt und glücklich verheiratet. Meine Frau und ich teilen unser Zuhause mit aktuell drei Katzen. Ich arbeite als selbständiger Dozent, das lässt mir Freiraum fürs Schreiben.

Wie bist du zum Schreiben gekommen und seit wann schreibst du? 
Von den typischen Versuchen in der Pubertät mal abgesehen, bin ich eigentlich sehr spät zum Schreiben gekommen. Und dazu noch über einen Umweg. Ich hab, solange ich denken kann, extrem viel gelesen und der Wunsch, einmal eine Geschichte selbst zu schreiben, war eigentlich schon lange da. Aber erst, als ich dann kurz hintereinander zwei Fachbücher geschrieben habe, da war das so eine Art Initialzündung. Ich wußte jetzt, ich kann so ein Projekt stemmen, damals ja noch neben einem Vollzeitjob. Ich wollte es einfach probieren. Wollte sehen, ob es mir gelingt, Menschen mit meinen Geschichten zu fangen. Wollte Menschen vom Schlafen abhalten, die Zeit vergessen lassen. 

Crossroads spielt im Jahre 1940. Warum wähltest du diese Zeit und gibt es dazu einen Hintergrund?
Mich hat bei Kriminalromanen schon immer die Isolation gereizt. Was passiert, wenn keine allmächtige Organisation hinter dem Helden steht? Kein mächtiger Secret Service, kein "Q", keine Kavallerie? Was tut, wie reagiert der Protagonist, wenn er allein ist und die Herausforderungen übermächtig werden? Die britischen Kanalinseln, 1940 plötzlich überrollt von der deutschen Wehrmacht, ein hilfloser Spielball im Weltkriegssturm, schienen mir die perfekte Szenerie für diese Frage. 


Wieviel Jürgen Albers steckt in Inspektor Norcott? 
Oh, eine interessante Frage. Es gibt ja unendlich viele Theorien, ob oder warum und wieviel Autoren ihren Protagonisten mitgeben oder sie sogar nach ihrem Ideal formen. In unserem Fall glaube ich, Charles hat eine Menge meiner Ungeduld geerbt und die Neigung zur Verbissenheit. Und noch etwas: Vorurteile können wir beide nicht leiden.

Beschreibe bitte deinen Platz, an dem du schreibst. (Vielleicht auch ein Foto?) 
Ich schreibe an meinem normalen Arbeitsplatz, an dem ich auch meine Vorlesungen vorbereite. Ein ziemlich vollgestellter schwarzer Schreibtisch. Ich habe von dort einen guten Ausblick in einen ruhigen Garten. Oft leisten mir meine Katzen Gesellschaft, was manchmal zu Platznot führt, wie man auf dem Bild sehen kann. 

Warum wähltest du den Ort St. Peter Port für deinen Roman? 
Im Grunde hing die Wahl des Ortes an der Wahl der Zeit. Ich wollte einen Ort, der durch das Kriegsgeschehen so gut wie abgeschnitten ist von der Welt. Da kamen mir die britischen Kanalinseln gerade recht. Guernsey ist noch ein wenig kleiner als Jersey und sein Hauptort St. Peter Port einfach ein wunderbarer Mikrokosmos. 

Hast du viel Zeit für die Recherche benötigt? Wenn ja, wie lange? 
Ja, ich habe gut ein Jahr nahezu vollständig mit Recherche verbracht. Dann begann der Schreibprozess, der aber immer wieder auch von Recherche begleitet wurde. In eine andere Zeit einzutauchen heißt: alles hinterfragen, was in der Jetzt-Zeit selbstverständlich ist. Kleidung, Verhalten, Essen, Musik, was immer... für alles und jedes muss man nachforschen. Ich gebe aber auch zu, ein ziemlicher Erbsenzähler zu sein bei der Recherche. Nach meiner Meinung wird durch eine saubere Recherche und die entsprechende Darstellung die Grundlage einer erfolgreichen Story gelegt. Die Leser sollen es förmlich riechen, schmecken und vor sich sehen. Atmosphäre hat bei mir eine extrem hohe Wichtigkeit.

Wie gehst du bei einer Recherche vor, wenn du eine Idee zu einem Roman, Settings oder Plot hast? 
Ich suche in der Regel zunächst kurze Artikel/Beiträge im Internet, versuche einen groben Überblick über die Komplexität der Frage bzw. der Idee zu gewinnen. Dann teile ich das Ganze in Fragenkomplexe und suche intensiver. Grundsätzlich versuche ich eher in sogenannte Primärquellen aus der betreffenden Zeit und Region einzusteigen. Sekundärquellen aus heutiger Zeit bewerten mir zu häufig und zu stark und verdecken damit Aspekte. Bei der gesamten Recherche beobachte ich immer auch, ob mich die Idee weiterhin fesselt oder ich die Lust nachlässt. Wenn ich schon bei der Recherche Motivationsprobleme habe, wie soll das erst beim Schreiben werden? 

Warum wähltest du den Weg als Selfpublisher? 
Zunächst einmal, weil ich - so als Anfänger, unbekannt und ohne nachweisbare Schreiberfahrung - schlicht keinen Verlag gefunden habe. Die Suche war mühsam und oft frustrierend. Nicht alle Verlage machen sich die Mühe, eine Begründung für die Absage zu schreiben. Leider erhält man auch merkwürdige Absagen, z.B. schrieb mir ein Verlag, ich als Deutscher könne nicht über eine Story in England schreiben.
Inzwischen fühle ich mich wohl als Self-Publisher. Man hat zwar eine mindestens doppelte Arbeitslast, u.a. durch Layout, Werbung etc., aber eben auch eine große Freiheit. Ich hab z.B. nach einem ersten Probedruck die Schriftgröße erhöht, weil mir das zu klein und unbequem beim Lesen war. Sowas entscheidet i.d.R. der Verlag allein. 

Bald erscheint ja auch Erased. Magst bzw. Darfst du uns schon etwas darüber berichten?
Aber sehr gern! 'Erased' ist ein Nachfolgeroman zu 'Crossroads' und spielt sieben Jahre später, im Oxford des Jahres 1947. Wir begegnen wieder Charles Norcott, inzwischen befördert zum Superintendent, der eigentlich eine ruhige Zeit als Gastdozent in der altehrwürdigen Universität von Oxford erwartet. Leider hat es scheinbar jemand auf einen jungen Nachwuchsforscher abgesehen und gerät Norcott doch wieder in einen verzwickten Fall. Diesmal mit deutlich mehr Verdächtigen, als ihm lieb sein kann...  

Deine Gedanken zur damaligen Zeit sind…? 
Begeisterung. Neugier. Ich finde die 40er und 50er Jahre eine faszinierende Zeit. Die ganze Welt änderte ihre Ordnung. Weltreiche zerfielen, die Forschung explodierte förmlich. Und auch die Gesellschaft veränderte sich stark. Da stecken noch viele, viele neue Themen und Plots.

Du liest bestimmt ja selber auch, welche Genre bevorzugst du?
Ohja. Mein Buchappetit ist wirklich unstillbar. Allein diese verflixten 24-Stunden-Tage behindern mich am Lesen. Ich habe eine sehr große Sammlung an Krimis und Thrillern, wobei ich die ganz bluttriefende Ecke in der Regel auslasse. Da finden sich viele Klassiker, Georges Simenon, Agatha Christie, Dorothy L. Sayers. Dann viele Bücher aus der historischen Ecke, aber auch viel Fantasy. Ich fürchte, ich wandere sehr viel zwischen den Genre. 

Könntest du dir vorstellen auch in einem anderen Genre zu schreiben. Wenn ja, welches Genre würde dich noch reizen?
Nicht nur vorstellen. Ich habe bereits einige Kurzgeschichten im Fantasy-Genre geschrieben, eine davon wurde im letzten Jahr sogar prämiert. Ich habe seit einiger Zeit eine Idee aus diesem Bereich im Kopf, aus dem sich eine kleine Romanreihe machen ließe. Das reizt mich sehr. Wie immer, ist Zeit das Problem.

Hier ist noch Platz für Werbung und Worte, die du den Lesern noch mitteilen möchtest. 
Erst einmal möchte ich natürlich meinen Leser*innen danken. Dafür, dass sie mein Buch kaufen, aber auch für viele tolle Rückmeldungen Das ist für Autoren extrem wichtig. Nur durch Kritik können wir wachsen. 
Dann vielleicht noch ein Hinweis: Es wird auf der Frankfurter Buchmesse eine Lesung mit mir geben. Am Donnerstag, dem 12.10.17, ab 13:30 in Halle 3.0, Stand H.4. Nach der Lesung wird es ein Meet & Greet geben. Wer also Lust hat, die Lesung zu hören oder sein Buch signieren zu lassen, ist herzlich willkommen. 


Herzlichen Dank für deine Antworten :) 

Meine Lieben, ich hoffe ihr hattet wieder Spaß ;)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen